Mittlerweile haben uns die aktuellen Ereignisse überholt – so schnell konnten wir fast nicht schauen: Mit seinem Buch „Verschlussakte Medizin“ sorgte der ehemalige „profil“-Journalist Kurt Langbein für gehörigen Wirbel im Gesundheitswesen. 2500 Todesfälle pro Jahr, unzählige Behandlungs- und Betreuungsfehler würden vertuscht. – Und plötzlich ist „Qualität im Gesundheitswesen“ in aller Munde.
Die Physiotherapie ist, was die „aufgedeckten“ Missstände betrifft, zwar nicht direkt betroffen. Als wesentliche Berufsgruppe des drittgrößten Bereiches im Gesundheitswesen – den gehobenen medizinisch-technischen Diensten – kann uns PhysiotherapeutInnen das Thema aber nicht egal sein.
Unabhängig davon, ob die von Langbein angeführten Zahlen stimmen oder nicht, muss man eingestehen, dass es im österreichischen Gesundheitswesen kein wirklich funktionierendes Fehlermanagement gibt. Über mangelhafte Diagnosen, Indikationen, Therapien oder Rehabilitationsmaßnahmen wird höchstens unter Insidern und hinter vorgehaltener Hand gesprochen. – Nicht ganz unverständlich. Persönliche Fehler können leider (auch im Gesundheitswesen) passieren, aber die meisten suboptimalen Behandlungen resultieren aus fragwürdigen Strukturen, Hierarchien und Arbeitsabläufen. – Und wer will schon seinen Kopf hinhalten für Fehler im System?
Ich bin daher mit der designierten Leiterin des Bundesinstitutes für Qualität im Gesundheitswesen, Eva-Maria Baumer, einer Meinung, dass die Voraussetzung für ein effizientes Fehlermanagement ein sanktionsfreier Raum sein muss (siehe Interview „Eva-Maria Baumer MPH”). – Nicht zu verwechseln mit einem „Persil-Schein“ für Fahrlässigkeiten. Darüber hinaus sind Strukturen auf ihre Tauglichkeit Fehler vermeiden zu helfen zu hinterfragen und allenfalls zu ändern.
Es gibt aber auch aktuell positive Neuigkeiten zur Qualität im Gesundheitswesen. Anfang März wurde erstmals gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Handchirurgie und Ergo Austria im LKH Steyr eine gemeinsame Klausurtagung abgehalten, die auch das Schwerpunktthema dieses Heftes bildet. Grundtenor der überaus gut besuchten und hochwertigen Veranstaltung: Für eine möglichst hohe Behandlungsqualität ist die intensive Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung aller involvierten Gesundheitsberufe Voraussetzung. Klar ist aber auch, dass die PartnerInnen eine hohe Kompetenz durch Erfahrung und Wissen mitbringen müssen.
Wenn es gelingt, in so einer partnerschaftlichen Atmosphäre zusammenzuarbeiten, Erfahrungen auszutauschen und vielleicht auch im Sinne eines Fehlermanagements sachlich zu diskutieren, dann ist es um die Behandlungs- und Betreuungsqualität von PatientInnen mit Handverletzungen und -erkrankungen gut bestellt. Und dann würde ich Herrn Langbein und KollegInnen einladen, einmal ein Buch darüber zu schreiben, wie Qualität im Gesundheitswesen richtig funktioniert.
Silvia Mériaux-Kratochvila, Präsidentin





