Das Jahr 2006 stellte eine Zäsur für die Ausbildung zu PhysiotherapeutInnen sowie zu den anderen gehobenen medizinisch-technischen Diensten (MTD) und Hebammen dar. In diesem Jahr starteten die ersten Bachelorstudiengänge in den Bundesländern Niederösterreich, Salzburg und Steiermark an Fachhochschulen. Vier Jahre später ist der Umstellungsprozess von Akademien auf Fachhochschulen insofern abgeschlossen, als alle Ausbildungen in Österreich zu MTD und Hebammen im Wintersemester als Fachhochschul-Bachelorstudiengängen begonnen haben. Damit kommt Österreich dem Ziel des sogenannten Bologna-Prozesses näher, das ein gestuftes Bildungssystem mit europaweit vergleichbaren Bildungsabschlüssen vorsieht.

Die Stufen bestehen aus einem ­Bachelor-, einem Master- und einem Doktorats- bzw. PhD-­Abschluss. Während der Abschluss ­eines Bachelor- und eines Master­abschlusses vorrangig zu einer Berufsqualifikation führt, dient ein Doktorats- bzw. PhD-Studium der Aneignung von Forschungskompetenzen. Dieser Zusammenhang von Bildung und Forschung stellt auch die Grundlage einer Forschungsstrategie dar, die von der Gesundheit Österreich GmbH, der Planungs- und Forschungsgesellschaft des Bundes in Gesundheitsangelegenheiten, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erarbeitet wird.

Diese Forschungsstrategie umfasst mit der Gesundheits- und Krankenpflege, den Hebammen und den MTD für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zentrale Berufe. Wesentliche gesundheits- und versorgungsrelevante Bereiche sind noch nicht beforscht. Gleichzeitig sind mit der Anbindung der Ausbildung an die Fachhochschule rechtlich und politisch Forschungsaktivitäten vorgesehen. Aus diesem Grund werden in einem partizipativen Prozess, unter anderem unter Einbindung von Berufsangehörigen aus Forschung, Lehre und Wissenschaft, alle Handlungsfelder aufgelistet, die für die Etablierung einer Forschung in den genannten Berufen relevant sind. Mit kurz- und mittelfristigen Zielen und Maßnahmen zu den einzelnen Handlungsfeldern werden umsetzbare Schritte erarbeitet, welche die Wettbewerbsfähigkeit dieser Berufe im nationalen und internationalen Umfeld langfristig sichern sollen. Damit unterstützt die Forschungsstrategie die nationalen Bemühungen zur Stärkung des Wissenschafts-und Forschungsstandortes Österreich.

Dem Forschungsdrang der Berufsangehörigen gegenüber stehen die budgetäre Situation öffentlich finanzierter Forschung und die Herausforderung, mehr Berufsangehörige für Forschung zu qualifizieren.

Die Forschungsstrategie muss diesem Spannungsfeld Rechnung tragen. Der Erstentwurf der Strategie wurde Ende ­November 2010 mit einem ausgewählten Kreis von Personen diskutiert und ­abgestimmt. Ab Ende Jänner 2011 wird es für drei Wochen über eine Online-Beteiligung die Möglichkeit geben, zu diesem Erstentwurf Stellung zu beziehen und ­Ideen einzubringen. Die Ergebnisse werden in der Folge in der Strategie berücksichtigt. Anfang März 2011 wird die Strategie im Rahmen einer Konsensus­konferenz abgestimmt und fertig gestellt.

Die Forschungsstrategie unterstützt damit die Erreichung von zwei Zielen: Die Festigung der fachlich-wissenschaftlichen Ausrichtung der Gesundheitsberufe und die Berücksichtigung versorgungsrelevanter Forschungsagenden.

Mag. Regina Aistleithner, Projektkoordination
Gesundheit Österreich GmbH

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