Die Erfassung der berufsberechtigten Angehörigen der Gesundheitsberufe dient dem Schutz der Gesundheit und der Interessen von PatientInnen bzw. KlientInnen.
Der Expertinnen- und Expertenkreis soll laufend erweitert werden und soll verschiedenste Gesundheitsberufe – themenabhängig – umfassen.
inform: Die GÖG ist auch für viele Angehörige von Gesundheitsberufen ein unbekanntes Wesen. Was macht die GÖG eigentlich?
Melitopulos: Die GÖG versteht sich als Kompetenzzentrum, Drehscheibe und nachhaltiger Faktor im stark zersplitterten österreichischen Gesundheitswesen. Integrierte Versorgung, sektorenübergreifende Planungen und berufsgruppenübergreifende Betrachtungen zeichnen ihre Projekte und Arbeitsschwerpunkte aus.
Strukturplanung, Gesundheitsförderung und Qualitätssicherung werden aufeinander abgestimmt. Durch das Holdingkonzept können vor allem Synergien in der Verwaltung genutzt werden. In Zukunft soll auch die inhaltliche Kooperation, vor allem im Themengebiet Prävention und Gesundheitsförderung, verstärkt werden.
inform: Das klingt sehr akademisch. Was soll in der Praxis herauskommen?
Melitopulos: Meines Erachtens ist es für das österreichische Gesundheitssystem sehr wichtig, dass es eine Institution wie die Gesundheit Österreich GmbH gibt. Die Gesundheit Österreich hat mit ihren Geschäftsbereichen FGÖ, BIQG und ÖBIG und der Positionierung nicht nur die Möglichkeit, sondern geradezu die Verpflichtung integrierend, unterstützend und systemverbessernd – und zwar äquidistant – zu agieren. Aktiv, transparent und wissenschaftlich fundiert, aber mit verstärktem internationalem Fokus arbeiten wir in die nächsten Jahre. Es ist uns hier auch wichtig, dass wir in enger Kooperation mit den Stakeholdern des österreichischen Gesundheitssystems Probleme analysieren und konsensfähige Lösungen anbieten und bei deren Umsetzung unterstützend tätig sind.
inform: Die GÖG arbeitet mit „unabhängigen Experten“ zusammen. Meist ist dabei nur die Rede von Ärztekammer, Sozialversicherungen, Krankenanstalten. Welche Rolle spielen dabei andere Gesundheitsberufe wie z.B. die PhysiotherapeutInnen?
Melitopulos: Im Arbeitsbereich Gesundheitsberufe der Gesundheit Österreich gibt es eine lange Tradition der Zusammenarbeit mit den nichtärztlichen Gesundheitsberufen, da in diesem Bereich vorwiegend Berufs- und Ausbildungsfragen bearbeitet werden. In Abhängigkeit von den zu bearbeitenden Fragestellungen und der Zielsetzung der Projekte, werden VertreterInnen der Gesundheitsberufe zumeist in den Rollen der ExpertInnen und der BeraterInnen, aber auch in den Rollen „Stakeholder“ oder „Kooperationspartner“ eingebunden. Diese Zusammenarbeit funktioniert aus unserer Sicht sehr gut. Wie bereits erwähnt, ist uns die Einbindung der jeweiligen Berufsgruppen besonders wichtig, damit wir sämtliche fachliche Aspekte berücksichtigen können. Im Mittelpunkt aller Überlegungen und Handlungen steht für die Gesundheit Österreich immer die qualitative Versorgung der Patientinnen und Patienten.
inform: In den Gesundheitsberufen soll eine verpflichtende Registrierung eingeführt werden. Wie stehen Sie dazu?
Melitopulos: Die Erfassung der berufsberechtigten Angehörigen der Gesundheitsberufe einschließlich der Fortbildungen sowie die Ausstellung der Berufsausweise zur Publizität dienen dem Schutz der Gesundheit und der Interessen von PatientInnen bzw. KlientInnen. Die Transparenz schafft Rechtssicherheit über die zur Ausübung von Gesundheitsberufen Berechtigten und ist die Grundlage für Daten zur Erhebung des Angebots und des Bedarfs an Gesundheitsdienstleistern. Darüber hinaus erleichtert die Registrierung die internationale Mobilität sowohl für die Angehörigen der Gesundheitsberufe als auch der PatientInnen und KlientInnen.
inform: Wer sollte diese Ihrer Meinung nach durchführen?
Melitopulos: Zum Einen ist zu beachten, worauf man sich im Regierungsprogramm geeinigt hat. Und diese Entscheidung liegt beim zuständigen Ministerium. Des Weiteren ist entscheidend, dass diese Einrichtung oder auch Organisation, die dafür notwendigen Eigenschaften und Anforderungen erfüllt.
inform: Will die GÖG die Registrierung durchführen?
Melitopulos: Für die GÖG ist es keine Frage des Wollens, sondern es muss einen entsprechenden Auftrag von der Regierung geben. Überlegungen zur Durchführung der Registrierung durch die GÖG, werden erst nach dieser Entscheidung angestellt.
inform: Sie haben kürzlich gemeinsam mit Gesundheitsminister Alois Stöger das Gesundheitsportal www.gesundheit.gv.at vorgestellt. (Anm. der Redaktion: Siehe Bericht „Gesundheit auf einen Klick“). Dieses soll laufend ausgebaut werden. Was ist als nächstes geplant?
Melitopulos: Neben der laufenden Aktualisierung soll das Portal kontinuierlich ausgebaut werden, d.h. es wird immer wieder neue Meldungen unter „Aktuelles“ geben. Zusätzlich werden 150 Labor- sowie 300 Lexikonbegriffe erarbeitet. Im Bereich „Gesund Leben“ werden Themen zur Ernährung inklusive „Ernährungstool“, Bewegung, Rauchen und Alkohol sowie Allergien entstehen. Weitere Beiträge zu den Patientenrechten und Kinderarztbesuch sollen erstellt werden. Es wird auch das Thema Gesundheitsberufe behandelt. Diesbezüglich ist es uns natürlich ein Anliegen, das Wissen von Physio Austria zu nutzen und den Bundesverband auch einzubinden.
inform: Heißt „Einbinden“ in den Kreis der ExpertInnen eingebunden sein?
Melitopulos: Ja, der Expertinnen- und Expertenkreis soll laufend erweitert werden und soll verschiedenste Gesundheitsberufe – themenabhängig – umfassen. So haben wir zum Beispiel beim Thema „Mutter & Kind“ ja auch die Hebammen einbezogen.
Interview: Otto Havelka





