Seit ein paar Jahren gewinnt der Begriff „Qualität“ auch im (österreichischen) Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Aber was ist „Qualität“? Wir reden über Qualität, wenn es um die Lebensdauer von Waschmaschinen oder Autos geht, wenn es um den Nitrat-Gehalt im Salat oder die Empfehlungen von FinanzberaterInnen geht. Aber Qualität im Gesundheitswesen? Tun wir PhysiotherapeutInnen, ÄrztInnen, PsychologInnen, usw. nicht selbstverständlich unser Bestes, um unseren PatientInnen zu helfen?

Außer Zweifel: Natürlich tut jede/r von uns sein/ihr Bestes. Aber nicht zuletzt die moderne Informationstechnologie hat es erlaubt, die Frage zu stellen: Was ist weltweit DAS Beste?

Wir können heute praktisch per Knopfdruck auf eine Fülle von Erfahrungen mit Diagnose- und Behandlungsmethoden, Organisationsstrukturen oder Ausbildungssystemen zugreifen und diese für uns nutzbar machen. Vieles vom (derzeit) Besten brauchen wir nicht erfinden, sondern „nur“ sammeln und zusammenfügen. In der Praxis heißt das dann Clinical Guidelines, Evidence Based Physiotherapy (EBP), usw.

Auch die Politik hat dieses Thema aufgegriffen. So wurde u.a. im Juli 2007 das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) - als Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH – eingerichtet. Und die Krankenkassen gehen zunehmend dazu über, nur noch Leistungen zu bezahlen, die international (als beste Qualität) anerkannt sind.

An dieser Stelle müssen alle in Gesundheitsberufen Tätigen einen Spagat schlagen. Sie – und damit auch die PhysiotherapeutInnen – sind es den PatientInnen schuldig, dass sie bei uns gleich gut behandelt werden wie sie irgendwo anders optimal behandelt werden. Das zu gewährleisten fängt schon bei der Ausbildung an.

Gleichzeitig gilt: Kein Mensch ist wie der andere und daher muss auch jede physiotherapeutische Behandlung individuell abgestimmt sein.

Unsere Vorgangsweise sollte daher sein, uns alle vorhandenen Erkenntnisse nutzbar zu machen und gleichzeitig den Blick auf den konkreten Menschen nicht zu verlieren.

Weltweite Erfahrung individuell abgestimmt – das ist eine neue Qualität im Gesundheitswesen.

Silvia Mériaux-Kratochvila
Präsidentin

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT

Präsidentin des Berufsverbandes Physio Austria

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