Weichenstellung gegen metabolische Entgleisung

Etwa alle zwei Monate wird am LKH Bad Ischl eine interdisziplinäre Diabetikerschulung durchgeführt. Sie dauert vier Tage, und bedingt eine stationäre Aufnahme der PatientInnen.

Diabetikerschulung ist nicht nur eine Zuckerschulung, lautet das Credo des Bad Ischler Oberarztes Dr. Christian Auer. Er hat daher ein interdisziplinäres Team gebildet, das regelmäßig umfassende Diabetikerschulungen durchführt. Diesem gehören neben ihm ein Dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger (Organisator und Vortragender) sowie eine Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester (Ambulanz), DiätologInnen, ein Augenfacharzt – und Physiotherapeut Richard Neuper an. „Ein Psychologe wäre auch noch gut“, sagt Dr. Auer, „aber das ist sich nicht mehr ausgegangen“.

Schulungsablauf

Am ersten Tag werden nach der stationären Aufnahme zunächst ein paar Routineuntersuchungen (Blutabnahme, EKG, etc.) durchgeführt. Danach wird in der ersten „Unterrichtsstunden“ das Krankheitsbild Diabetes besprochen, und DiätologInnen informieren über Ernährung und Diätmaßnahmen.

Der zweite Tag steht im Zeichen der medikamentösen Therapie: Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen. Am Nachmittag gibt es ein (vergnügliches) Praktikum: Die PatientInnen gehen mit einer DiätologIn in ein Lebensmittelgeschäft einkaufen und besprechen dabei die für sie geeigneten bzw. ungeeigneten Produkte.

Am dritten Tag absolvieren die TeilnehmerInnen zwei Unterrichtseinheiten über die Auswirkungen hohen Blutdrucks und Cholesterins in Zusammenhang mit Diabetes. Danach gibt es eine Turnstunde und Nordic Walking mit Physiotherapeut Neuper, wobei der Einfluss von Bewegung auf den Blutzucker demonstriert wird. Am vierten Tag geht es schließlich um Spätschäden und die Insulintherapie. Den PatientInnen werden dabei die Auswirkungen einer lang andauernden schlechten Blutzuckereinstellung vor Augen geführt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Füße gelegt, da hier die meisten schweren „vermeidbaren“ Schäden entstehen. Im Laufe der Schulung werden die TeilnehmerInnen auch in der Verwendung von Zuckermessgeräten sowie auf die Technik des Insulin-Spritzens eingeschult. Im Rahmen einer Abendvisite wird auch auf „individuelle“ Zuckerprobleme eingegangen. Ferner erfolgen während der Schulung auch ein Belastungs-EKG, eine Augenuntersuchung, eine Nierenfunktionsprüfung und je nach Notwendigkeit Gefäßuntersuchungen und eine Herzultraschall. Dieses umfassende Leistungspaket gibt es in Bad Ischl um 10,– Euro pro Tag (inkl. Verpflegung). Dennoch ist das Interesse an der Diabetikerschulung durchwachsen. Die geringe Zahl an InteressentInnen bewirkt zudem, dass die Gruppen zum Teil sehr inhomogen sind. „Wir haben dann in einem Kurs übergewichtige Patienten mit offenen Füßen und ohne Krankheitseinsicht, neben jungen Diabetikern, die regelmäßig mit dem Mountainbike fahren“, erzählt Neuper. Da wären unterschiedliche zielgruppenorientierte Bewegungsprogramme sinnvoll. Bei einem durchwegs freiwilligen (und kostenlosen) Engagement der Team-Mitglieder geht sich das aber nicht auch noch aus. Die Folge: Bei einem Kurs haben von zehn TeilnehmerInnen acht ohne Angabe von Gründen auf das Nordic Walking verzichtet, bedauert Neuper. Schon nächstes Jahr will Neuper einen neuen Anlauf nehmen: Er organisiert gemeinsam mit dem Physio Austria Bildungsreferat einen Nordic Walking-Kurs für PhysiotherapeutInnen.

Otto Havelka

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